Frühlingsexkursion Inkwilersee 2026
Zu früher Morgenstund, nämlich bereits um 6:15 Uhr und somit 30 Minuten vor Sonnenaufgang, besammelten sich 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Brätelplatz des Inkwilersees. Der frühe Morgen ist oft besonders interessant, denn gelegentlich nutzen die Vögel den See nur als Übernachtungsmöglichkeit und ziehen bei Tagesanbruch bereits weiter in andere Gebiete. Zudem war die Jahreszeit perfekt, um möglichst viele Zugvögel zu entdecken.
Doch bereits auf der Anfahrt dürften die meisten der Teilnehmenden einem der Endgegner eines Birders begegnet sein: Nebel, dichter Nebel. Bei phasenweise gefühlter Nullsicht konnten wir uns glücklich schätzen, dass Vögel auch ohne klaren Blick zu bestimmen sind. Zum Beispiel anhand ihres Gesangs oder ihrer Rufe. Die ersten Arten, welche sich so auf unsere Liste gesellten, lauteten Hausrotschwanz, Amsel, Ringeltaube, Rabenkrähe und Singdrossel. Doch nicht nur anhand ihrer Stimme lassen sich Vögel identifizieren. Einzelne Arten sind beispielsweise für ihr schellendes Fluggeräusch bekannt und so wurden wir bald einmal auf herumfliegende Schellenten aufmerksam. Nun gab die nach wie vor unveränderte Nebelsituation Anlass dazu, einen kleinen Theorieblock durchzuführen. Anhand von Bildern wurden bereits im Gebiet anwesende oder wünschenswerte Brutvogelarten und im Anschluss typische Zugvögel gezeigt. Auch die Schellente war Teil dieser Präsentation und so schien es fast wie abgemacht, dass sie später im 3er-Trupp so nahe am Brätelplatz vorbeiflog, dass wir auch einen kurzen Blick auf sie erhaschen konnten. Während der Nebel langsam etwas zu schwanken begann, konnte in der Ferne ein Kolbenenten-Männchen entdeckt werden und direkt vor uns schwamm im erstaunlich klaren Wasser ein Karpfen vorbei. Um ca. 8:00 Uhr starteten wir dann auf unseren Rundgang. Verdankenswerterweise, konnte mit Silvan Villiger - einem befreundeten Jungornithologen aus Bolken - ein zweiter Gruppenleiter gestellt werden, weshalb wir die Gruppe kurzerhand teilten und den See in gegensätzlichen Richtungen umrundeten. Während die eine Gruppe bald einmal ausgiebig eine Beutelmeise beobachten konnte, tappte die andere weiterhin in der Nebelsuppe. Unterwegs etwas Abwechslung bot ein leiser schwatzender Gesang eines Teichrohrsängers, einem Neuankömmling im Gebiet.
Bald einmal wurde aus der dicken Nebelwand Hochnebel und man konnte den See zum ersten Mal halbwegs klar überblicken. Direkt ins Auge fielen dabei die vielen Schwalben, die auf den Bäumen der grossen Insel gelandet waren. Schön aufgereiht und trotzdem bunt durchmischt, konnten bald auch einzelne Uferschwalben unter den Rauchschwalben entdeckt werden.
Auf dem weiteren Rundgang hörte die eine Gruppe noch einen singenden Fitis und bestaunte zwei sich jagende Buntspechte. Beiden Gruppen glückte die Entdeckung der ersten Stockentenfamilie mit 8 Küken. Beim anschliessenden Wegekreuzen folgte ein kleiner Austausch, bevor wir auf die zweite Hälfte des Rundgangs starteten. Leider gelang es dabei den beiden Gruppen nicht, die jeweils zuvor von der anderen Gruppe gemachten Beobachtungen zu wiederholen. Kurz vor Ende der Runde waren noch eine überfliegend, rufende Schafstelze und ein Wiesenpieper festzustellen.
Bei der finalen Zusammenkunft auf dem Brätelplatz wurde noch kurz über das Inselprojekt (Umsiedlung des Bibers aufgrund des Schutzes der Pfahlbauten) informiert und im Anschluss erfreulicherweise eine Bekassine entdeckt. Unterdessen bei blauem Himmel und Sonnenschein, führte das traditionelle Open End der Exkursion dazu, dass nur noch ein kleiner Teil der Teilnehmenden Zeuge eines kreisenden Sperbers wurde. Zum krönenden Abschluss suchte dann die Beutelmeise noch auf kürzeste Distanz im Schilf erfolgreich nach Insekten (siehe Fotos oben).
Total 48 Arten
Ein Indiz für die abwechslungsreiche Zug-/ und Jahreszeit war die Zufallsentdeckung eines Wiedehopfs am Abend des Exkursionstages durch Sven Bucher, Mitglied BirdLife Langenthal.
Am Folgetag konnte dieser zwar nicht mehr angetroffen werden, allerdings wurden während anhaltendem Regen, folgende spannende / neue Arten entdeckt: Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Waldwasserläufer, Flussuferläufer, Nachtreiher, Schilfrohrsänger, Gartenrotschwanz, Wasserralle, Krickente, Reiherente, Zwergtaucher
Beutelmeise & Karpfen ©Nick Berchtold
Morgenbild ©Margrit Lanz
Stockenten & Bild 5 & 10 ©Nicolaas Ganzeboom