Etang de la Gruére
Unter der Federführung des Natur- und Vogelschutzvereins Rütschelen-Bleienbach-Lotzwil wurden 28 Naturinteressierte nach Saignelégier chauffiert. Weitere sieben Personen entschieden sich aus diversen Gründen, selbst zu fahren.
Die beiden Exkursionsleitenden Madame Maria Luisa Wenger und Monsieur Charles Francey vom Naturzentrum «Les Cerlatez» empfingen uns am nördlichen Rande des Naturschutzgebiets. Die 2,8 km lange Runde um den Teich startete über einen Holzsteg durch ein Meer von Mädesüss und schon bald veränderte sich die Landschaft: Auf dem federnden Waldweg durch hohe Waldföhren und Heidelbeeren mit Blick auf den Teich wähnte man sich beinahe in Kanada. Wir erfuhren, dass der «Etang de la Gruère» im 17. Jahrhundert durch einen Erddamm aufgestaut wurde, um eine etwas unterhalb gelegene Mühle zu betreiben.
Das gesamte Naturschutzgebiet erstreckt sich auf einer Fläche von 120 Hektaren und hat, aufgrund seiner Grösse, gesamtschweizerische Bedeutung. Interessant waren die Ausführungen über die Entstehung des Hochmoors. Das dafür verantwortliche Torfmoos ist dabei die wichtigste Pflanze. Während die Spitze des Torfmooses wächst, stirbt das untere Ende ab und wird nur unvollständig zersetzt. So entwickelte sich auf einem Gebiet von 56 Hektaren in 12'000 Jahren eine 9 Meter hohe Torfschicht, die sich allmählich über den Grundwasserspiegel erhob. Die auf der obersten Schicht dieses Hochmoors wurzelnden Pflanzen werden ausschliesslich durch Regenwasser gespeist. Obwohl das Gebiet bereits 1943 durch Naturwissenschaftler der Freiberge unter Schutz gestellt worden war, wurde in der Region bis 1955 weiter Torf abgebaut. An einigen Stellen beträgt die Torfschicht nur noch 3 Meter. Dank der Rothenthurm-Initiative wurden 1987 schweizweit alle Moore unter Schutz gestellt. Deren Qualität verschlechtert sich trotzdem weiter, denn die Moore werden tendenziell trockener und nährstoffreicher. Ein Wachstum von 1 mm pro Jahr vermag diese Nachteile nicht wettzumachen.
Von den wenigen spezialisierten Pflanzenarten, welche auf diesem Untergrund gedeihen können, sahen wir vom Wanderweg aus nicht viele. So vermissten wir beispielsweise die fleischfressenden Pflanzen. Dafür wurden wir durch andere Beobachtungen reich belohnt (siehe Kasten).
Um das zerbrechliche Ökosystem des kostbaren Naturreservats vor den Besucherströmen zu schützen, ist der Wanderweg um den Teich durch Seile seitlich begrenzt oder er führt über schön angelegte erhöhte Holzstege durch die wunderschöne Landschaft. Ein Teil ist sogar hindernisfrei mit einem Rollstuhl zu erkunden.
Gegen Mittag zog der Besucherstrom an. Für uns wurde es Zeit, den mitgebrachten Mittags-Imbiss aus dem Rucksack einzunehmen. Da es an Picknick-Plätzen mangelte, liessen wir uns auf dem Holzsteg im Schatten nieder. Die Parkleitung plant noch weitere bauliche Massnahmen, um den Besuchenden Rastplätze und Toiletten zur Verfügung stellen zu können. Aus ornithologischer Sicht ergab die Exkursion keine grosse Ausbeute. Doch der «Etang» hat viele von uns in seinen Bann gezogen: Wir werden sicher wieder an diesen Kraftort zurückkehren.
(Bericht von Karin Liechti)