, Peter Andres und Elsbeth Amstutz

Exkursion ins Reussdelta bei Flüelen (UR)

50 Arten kurz vor dem Gewitter

Exkursion der Oberaargauer Vogelschutzvereine ins Reussdelta bei Flüelen
19. April 2026
 
Text: Elsbeth Amstutz, Peter Andres
Quelle Erster Abschnitt: “Das Urner Reussdelta”, Arbeitsgruppe Reussmündung
Fotos: Christina Sommer und Nick Berchtold
 
Vor 120 Jahren war das Reussdelta die grösste und vielfältigste Flachwasserzone des Vierwaldstättersees. Der Kiesabbau ab 1905 führte zum Verlust von Flachwasserzonen. Und damit auch zu einem langsamen Rückgang der ausgedehnten Characeen-Wiesen (Armleuchteralgen) im Wasser. Mit dem verschwinden dieses Ufertyps verschwanden auch Tiere und Pflanzen, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind.
Die Reuss ist mit einer Länge von 164.4 km der viertlängste Fluss der Schweiz. Bei massiven Unwettern richtete sie, auch nach vielen Verbauungen, immer wieder grossen Schaden an. Um die Flusslandschaft zu retten, musste man den Kiesabbau in Einklang bringen mit dem Natur- und Erholungsraum. So entstand das Reussdeltagesetz, welchem das Urner Stimmvolk 1985 zustimmte. Im Zuge der Umsetzung ab 1987 wurden Begradigungen und Dämme im Deltabereich entfernt. Die Reuss kann dadurch im Mündungsbereich wieder die frühere Dynamik entwickeln, die zu den gewünschten grossflächigen Veränderungen im Delta führen. Mit dem Aushub vom Bau des Gotthardbasistunnels wurden 2001 bis 2008 sechs Inseln aufgeschüttet. Drei davon sind als Badeinseln konzipiert, die restlichen drei für die Natur. Eine Insel bleibt sich selbst überlassen, was leider den Neophyten viel Freiraum gibt.
 
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Einmal mehr haben sich die Oberaargauer Vogelschutzvereine und das Lebendige Rottal gemeinsam auf den Weg in die Natur gemacht. Gut zwanzig Naturfreunde reisten frohgelaunt mit der Bahn nach Flüelen, um dieses Reussdelta kennen zu lernen. Bevor wir uns in zwei Gruppen aufteilten, gab uns Peter Andres einige Informationen über diesen vielversprechenden Lebensraum, der ständigem Wechsel unterworfen ist. Sei das durch menschliches Eingreifen oder natürliche Entwicklung. Unterschiedlichste Lebensräume wie Riedwiesen, Auenwald, Röhrichte, Gräben und Tümpel, Sand- und Kiesflächen, See und Seeufer, Feldgehölze und landwirtschaftlich genutzte Flächen machen die Lebensraumvielfalt aus. Das Delta ist Naherholungsgebiet für die heimische Bevölkerung. Auch der Weg der Schweiz führt durchs Delta. Die Deltaordnung regelt ein gutes Mit- und Nebeneinander der verschiedenen Interessengruppen wie Ornithologen, Fischer, Badegäste, Spaziergänger, Familien, Biker, Landwirtschaft, Kiesabbau usw.
Den «Gitschen» (2513m hoch) vor Augen, machen wir uns auf die Naturpirsch. Beim Durchwandern des Geländes überqueren wir einige Stege, Brücklein und natürlich die Brücke über die Reuss. Also, viel Wasser und Gräben links und rechts. Mal schnell fliessend, mal langsam, mal stehend. Und viel Vogelgezwitscher begleitet uns. Mal gibt der Buchfink den Ton an, mal der Zilpzalp, mal die Mönchsgrasmücke. Beim ersten Halt bei der imposanten Trauerweide, im Mündungsbereich des Giessen, erhalten wir Einblick auf die Flüeler „Vogelinselnsel“ und spähen nach den ersten Möwen und Wasservögeln. Mittelmeermöwen und  Höckerschwäne brüten auf verschiedenen Inseln. Haubentaucher absolvieren das ganze Frühlingsprogramm: balzen, Nest bauen und brüten.  
Und immer wieder zeigen sie sich uns. 
Im Schilf trillert es. Nun haben wir den Zwergtaucher im Visier. Auch das Blässhuhn ist überall gut vertreten.
Weiter auf unserem Weg an Gräben und Riedwiesen vorbei, zaubern Sumpfdotterblumen und Baldrian farbige Tupfer ins matte grün. In den landwirtschaftlich genutzten Fettwiesen dominieren Hahnenfuss und Löwenzahn. Das störte die 13 Graugänse überhaupt nicht. Es schien ihnen Spass zu machen, abwechslungsweise ihre Köpfe heraus zu strecken um die Spaziergänger zu belustigen. 
Später treffen wir eine Graugansfamilie mit zwei Pullis an. Überall im Delta halten sich Kolbenenten auf, doch bei den Naturschutzinseln gehäufter. Verschiedene Arten Armleuchteralgen haben sich in den  renaturierten Flachwasserzonen wieder gut entwickelt und tragen zum erfreulichen Kolbenenten Bestand bei.
Stetig veränderten sich die vorhergesagten Gewitterwolken auf unserer Wanderung. Heute war kein Tag für die Greifvögel. Das bisschen Thermik um die Mittagszeit nutzten nur einige Mittelmeermöwen. Der erste Regen fiel, als unsere Gruppe vom Beobachtungsturm aus, sich einen Eindruck vom Delta verschaffte. Der «Wyer Weiher» in unmittelbarer Nähe, wird von Schottischen Hochlandrindern gepflegt. Vom Hyde aus suchten wir die vielen «Hagscheien» ab, wo die Gefiederten doch so gerne draufsitzen. Nichts war zu sehen!
So machten wir uns auf den Rückweg. Der kurz gehaltene «Weissdorn- und Gmischtläbhag» den Wegen nach, erinnerte mich stark an meine Kindheit. Auch sonst gefällt die Hecken- und Baumlandschaft, die das Gelände natürlich belebt. 
Der Regen setzt ein. Und trotzdem fallen uns Ried-Pflanzen-Raritäten am Wegrand auf; Sibirische Schwertlilie und Zwiebelorchis, die im Juni die Besucher mit ihren Blüten erfreuen werden.
Es schüttete wie aus Kübeln! Im Laufschritt eilten wir dem Bahnhof zu und wärmten uns im Bistro mit einem Kaffee auf. Später auf dem Perron, wir hatten ein Dach über dem Kopf, hagelte es zünftig.
Insgesamt erlebten wir einen sehr guten, kameradschaftlichen Tag mit Gleichgesinnten und dürfen glücklich sein, dass hier am Urnersee die Natur ihren Platz zurückbekommen hat.


Artenliste Reussdelta 19.04.2026: zusammengestellt aus beiden Gruppen
 
Amsel, Bachstelze, Baumpieper, Bergpieper, Blaumeise, Blässhuhn, 
Brandgans, Braunkehlchen, Buchfink, Buntspecht
Elster, Fitis, Flussuferläufer,
Gartenbaumläufer, Girlitz, Goldammer, Graugans (2 Familien)
Graureiher, Grünfink, Gänsesäger, Gartenrotschwanz
Haubentaucher, Hausrotschwanz, Haussperling, Höckerschwan
Kohlmeise, Kolbenente, Kormoran,
Mittelmeermöwe, Mäusebussard, Mönchsgrasmücke
Rabenkrähe, Rauchschwalbe, Reiherente, Ringeltaube, Rohrammer, Rotkehlchen
Schilfrohrsänger, Schnatterente, Schwanzmeise, Schwarzmilan
Star, Stieglitz, Stockente, Sumpfmeise
Tannenmeise, Teichhuhn, Zaunkönig, Zilpzalp, Zwergtaucher Total 50 Arten
 
Zusätzlich:
Unbestimmtes Goldhähnchen
Unbestimmter Greifvogel
Unbestimmte Grossmöwen
 
Vor der Exkursion: bestimmt von Nick Berchtold
Kernbeisser, Schafstelze, Singdrossel, Waldwasserläufer
(konnten in der Gruppenphase nicht mehr festgestellt werden)


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Der Gitschen


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Haubentaucherbalz
 
 
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Bachstelze beim Frühturnen


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Eine der 13 Grau- (oder Gras-) gänse
 
 
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Die Graugansfamilie
 
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Ein Blick Richtung Urnersee, Vierwaldstättersee


Zum Abschluss noch eine der vielen Kolbenenten.